Waschmaschinenfirlefanz

Stellt Euch einen feucht-kalten Schrottplatz bei Nacht vor, der so hässlich ist, dass neben den Ludolfs, bloß nur RTL Produzenten auf Suche nach neuen degradierenden Schauplätzen für ihre neuste Beute flanieren würden. Tadaa – Ihr habt unseren Keller. Hässlich wie die Cousine dritten Grades, die Du nie mochtest, aber so interessant wie die verschlossenen Koffer auf dem Dachboden Deiner Eltern. Ein übergroßer Leinensack ist bis zum Rand vollgestopft mit Groschenromanen, die Urgroßmutter mit Marlene Friedrich im Grammofon las, während sie Auszeit vom Patronenhülsenpolieren hatte. Wie zum Teufel sind die hier hergekommen? Wahrscheinlich hat ein verpeilter Besatzungssoldat vergessen den Kasernenwecker auf Sommerzeit umzustellen und ist damit zu spät zur Verteilung von Uromis Lieblingsohrringen gekommen. Niemand kann es mit letzter Gewissheit sagen. Naja … Im Regal, welches dem Leinensack gegenübersteht, thront eine aufziehbare Schneekugel. Geil. Tudeliduuudeliduuutudelidududodudu… Nach dem dritten Mal raunt Nina genervt durch ihren Raum und ich habe ein breites Grinsen auf dem Gesicht. Was mich aber vollends aus den Schühchen haut, ist unsere Waschmaschine. Ich tapere unsicher mit einem Berg voller Wäsche die schmale Holztreppe hinunter und fülle die Wäschetrommel mit der Schmutzwäsche. Ha! Hose auf links. Gleiche Farben zusammen. Und immer die Hosentaschen leeren! Und Junge, wasch ja net det fiene Hemd zu heiß! Danke Mama. Meine Augen schweifen über das amerikanische Kunstwerk. Wäsche rein, Flüssigwaschmittel draufklatschen, Deckel genussvoll zuschlagen und Hitze einstellen. Hitze einstellen.

whatsapp-image-2016-09-21-at-23-18-401Was zum veganen Essen (im Laufe des Eintrags dachte ich mir, dass auf den Teufel fluchen etwas mittelalterlich sei) ist das denn? Sind die Menschen jetzt schon zu faul den ganzen Drehknopf zurückzudrehen, um von kalt auf warm zu schalten? Oder ist die Entschlussfreudigkeit und Selbstverantwortung einer ganzen Nation schon so tief gesunken, dass während des geistesabwesenden morgendlichen Gangs in den Keller ein in China zusammengeklöppelter Waschroboter durch das kraftvolle Drehen einer warm-kalt Glücksradapplikation einem die Qual der Wahl erspart. Vielleicht ist aber auch mein Selbstbewusstsein so niedrig, dass ich durch das Nichtlesen der Bedienungseinleitung meine Männlichkeit bestätigen muss. Wenn die Gelegenheit kommt, werde ich mal einen Experten fragen. Die gibt es ja überall.

Meine Besuche hingegen laufen in dieser Woche besonders gut. Millie ist 95 Jahre alt geworden. Ich bringe ihr ein Geburtstagsgeschenk, Blumen, ein großes Essenspaket für den nächsten Monat und einen Viertelpfünder mit Pommes und einer 0,5l Cola. Gut, dass diese Soße nicht herunterwürgen muss. Eklige Leitungswassereiswüfel sorgen für ein chlorhaltiges Vergnügen. Millie hasst Hillary Clinton, hat Angst vor Flüchtlingen, liebt Donald Drumpf. Damit muss ich zurechtkommen. Wenn sie über Amerika herzieht, nicke ich brav und werfe regelmäßig ein bestätigendes „Aha“ ein. Dabei verspricht sie sich des Öfteren und nennt Amerika „company“ statt „country“. Zitternd schaue ich durch den Raum auf der Suche nach Alufolie. Mit Aluhut kann man dem bösen Gedankenkontrollstrahl der amerikanischen Regierung unversehrt entgehen. Mindcontrol, Bewusstseinskontrolle, versklavte Gehirne und so weiter und so fort. Nur Telepathieblocker können Skalarwellen und Infrarotwellen so abhalten, dass wir vom IQ einer Dillgurke bewahrt werden. Genau das haben die meisten nicht begriffen. Na ja… Selbst Schuld. Was soll man von Mutanten auch schon erwarten?

SWhatsApp Image 2016-09-21 at 23.18.40.jpegonntag war Segeln. Rohit, ein Collegestudent, lud mich spontan zu einem Rennen mit vier Schiffen ein. Okay nun beginnen meine paar Stunden Ruhm. Stolz betrete ich das teuer aussehende und hochglanzpolierte Boot. Der kack Wind ist so flau, dass wir nur lächerlich über das Wasser hin- und herschwappen. Gott sei Dank schwippen neben und vor uns auch drei Segelboote hin- und her, sonst hätte ich die folgenden fünf Stunden auch nicht ausgehalten. Über uns flattert ein Schmetterling geschwind an uns vorbei. Hat uns gerade ein Schmetterling überholt?! Der Sack fliegt wahrscheinlich gerade mit schadenfrohem Grinsen Richtung Süden und verabschiedet sich vom kommenden Winter. Mit der winzigen Hoffnung, dass irgendein amerikanischer Waffenfanatiker mit seiner Shotgun den blöden Falter vom Himmel schießt, kehren wir nach dem Segeln zum Haus der Bootbesitzer zurück. Festtafel. Vorspeise, Hauptspeise und Nachspeise. Goldene Unterteller mit Leinentuchserviertten und Kristallweingläsern. Was gab es? Süßkartoffelpüree auf einem Spinatbett mit Kichererbsen garniert mit sonnengetrockneten Tomaten, einem Spritzer Zitronensaft und einer Prise Kokosnussraspeln. Das ist doch ein sehr schlechter Witz denke ich mir. Nancy und Dianne, die Bootbesitzerinnen, die auch regelmäßig mittwochs ins Canterbury Haus zum Essen kommen, fanden das vegane Gericht so super, dass sie es für den Sonntag nachgekocht haben. Eine kleine salzige Träne kullert meine Wange herunter. Und so kommt es, dass innerhalb von zwei Wochen zweimal meine Geschmacksknospen terrorisiert werden. Wenn Euch also bei der nächsten Busfahrt ein junger Student mit gewichstem Vollbart, reichen Eltern, Beanie, Jutebeutel und glutenfreiem biologisch-angebauten Orangewalnuss Mandelmilchshake in der Hand begegnet und Euch die Adresse für das überteuerte Szenecafé um die Ecke geben will, haltet lieber eine Armlänge Abstand. Die schrecken vor nichts zurück. Die rekrutieren überall. Alle abschieben – das ist unsere einzige Option.

 

Montag: Bauernfrühstück

Dienstag: Pasty (Gebäck gefüllt mit Kartoffeln, Karotten und Hackfleisch)

Mittwoch: Wraps mit frittiertem Reis

Donnerstag: Hähnchen mit Kartoffelgratin und Brokkoli

Freitag: Chicken Nuggets, Maccaroni mit Käse und Hähnchenparmesantaler

Samstag: Supreme und Chicken Barbecue Pizza bei Pizza Hut

Sonntag: scharfe indische Bohnen, marinierte Hähnchen und gestampfte Süßkartoffeln mit Spinat, Zitronensaft, sonnengetrockneten Tomaten, Kichererbsen

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Über Veganophobie, Erfolge und das ungewollte Schnorren

Meine erste richtige Arbeitswoche ist vorüber. Zumindest wenn Ihr unter Arbeit mit Donuts beworfen werden, über den um drei Ecken verwandten verschwippschwägerten Oberheini tratschen, sich Koffein intravenös zu schießen und echt knuffigen und liebenswürdigen alten und einsamen Menschen den Tag versüßen versteht. Um Euch ein Beispiel zu nennen: Am Freitagmorgen verlasse ich um genau 8:29 Uhr und 30 Sekunden zusammen mit Nina unser Haus und betrete nach schwindelerregenden 10 Metern unser Office um Punkt 8:30. Puh geschafft! Jetzt zu meinem Schreibtisch. Darauf liegen zwei Kalender. Auf dem einen steht: „America the beautiful“ und der andere ist mit Blumen bedruckt und gleicht einem Diddelnotizblock. Daneben liegt eine riesige Packung neuer Stifte, eine Tasche, die mit Indianermotiven bedruckt ist, zwei Collegeblöcke, ein Indianernotizblock, ein Billigfernglas in Plastiklederummantelung und, als perfekte Abrundung, ein in sehr viel Plastik eingewickelter Traumfänger mit echten Federn. Wow, sogar mit echten Federn.

Vage erinnere ich mich daran, dass ich noch am vorherigen Tag meinen Arbeitsplatz leergeräumt hatte. Denzer, der bei Little Brothers als Hausmeister arbeitet, bekommt täglich, weil er Veteran ist, allerlei Müll zugeschickt, den er anscheinend klammheimlich täglich, noch bevor wir ins Office kommen, auf unseren Tischen entsorgt. Man sollte denken, dass jemand der im Krieg drei seiner Finger verlor mit etwas anderem als Blumenkalender mit Hinweisen wie man PTSD bei sich erkennen kann, geehrt wird. Aber naja. Nicht mein Bier.

Nachdem all der Kram in den Schubladen verschwindet, geht es los in Richtung Baraga. Joyce, eine der hauptamtlichen Mitarbeiterinnen, und ich treffen heute neben einer stolzen 96-Jährigen mit Handfeuerwaffe, einen netten alten Herren mit Messie-Syndrom, neun Katzen und einem Haus, welches auf das Übelste nach Exkrementen stinkt, auch eine Dame, bei der nicht immer alles rund gelaufen ist. Sie hat in ihrer Ehe schlechte Erfahrungen mit Männern gemacht und will deshalb keine männlichen Besucher. Des Öfteren überkommen sie Panikattacken und Angstzustände, wenn Männer um sie herum sind. Joyce und ich betreten das Haus und das Gespräch beginnt nur zögerlich. Wenn ich rede, schaut sie kurz rüber und blickt wieder zu Joyce. Doch nach eineinhalb Stunden wird sie mir zum Abschied eine Umarmung geben. Als wir das Haus verlassen, guckt Joyce mich überglücklich und gleichzeitig entgeistert an und fragt, ob ich zaubern kann. Fabian, ihr vorheriger Besucher aus Deutschland, hatte sie in dem ganzen Jahr nicht einmal zum Abschied umarmt. Von unserer Seite ist es komisch auf so eine Geste stolz zu sein, aber für sie ist es die Welt.

Mit entsprechender Euphorie fahren wir dann kurz vor Ende des Arbeitstages zurück zum Office. Auf meinem Arbeitsplatz liegt plötzlich eine kürbisgroße Honigmelone, wässriger Erdbeersirup, Karamell- und Schokoladenpfefferminzsoße. Vorne eine Notiz: „Karamelleiscreme im Gefrierschrank.“ Hier gehst du nie leer aus.

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Meisterhaftes Arrangement von Müll und leckerer Honigmelone.

Am selben Abend fahren wir zum ersten Mal zum „Canterbury House“. Ein Platz, an dem sich Studenten treffen, austauschen, lernen und einmal in der Woche die Möglichkeit haben, von internationalen Studenten bekocht zu werden. Kulinarische Delikatesse in netter Atmosphäre und das auch noch kostenlos. Mit großer Vorfreude betreten Nina und ich das Haus, welches für uns einer der besten Adressen ist, um Kontakte zu knüpfen.  Nur um später zu erfahren, dass es heute ein puertoricanisches Gericht gibt. Klingt gut, bis man gesagt bekommt, dass es vegan ist. Ich will diese Möglichkeit nutzen, um Euch ein wenig über meine erste vegane Mahlzeit zu berichten und meinen Standpunkt ein wenig zu elaborieren. Bin ich voreingenommen, was den puristisch anklingenden Verzehr von Blättern angeht? Denke ich produktetierischerherkunftslos sei „absurd, bizarr und asketisch“? Denke ich, dass die Abwertung von Löwenzahnärschen eine „Ablenkung von der dem Fleisch- und Tierkonsum innewohnenden Grausamkeit“ sei? Wahrscheinlich beides. Aber ich bin froh, dass die Entscheidung sein restliches kulinarisches Dasein pflanzlichen Produkten zu widmen einem ganz und gar selber überlassen ist. Was gab es? Süßkartoffelpüree auf einem Spinatbett mit Kichererbsen garniert mit sonnengetrockneten Tomaten, einem Spritzer Zitronensaft und einer Prise Kokosnussraspeln. Klingt edel. Besonders mit all diesen „fancy“ Wörtern. Mir schmeckt es trotzdem nicht. Kommt noch dazu, dass das Ganze durch die Süßkartoffel und die Zitrone schmeckt, als ob jemand einen Zuckertopf ins Essen fallen lassen hat.

Hach… Wie sehr beneide ich doch Veganer, wo sie doch nicht nur unschuldige junge Hähne vorm Schredder bewahren, versuchen Tierquälerei Einhalt zu gebieten und so weiter und so fort. In 0,nix könnte ich jeder peinlich stillen Minute bei meinen „Elderly Visits“ ade sagen, die, wie ich mittlerweile bereits herausfinden durfte, bei manchen Senioren und Seniorinnen unvermeidlicherweise mal vorkommt. Kostenlos dazu kommen natürlich alle Argumente und Gegenargumente und deren Widerlegungen. Die Liste an geilen Sachen, die es mit sich bringen würde Veganer zu sein ist endlos, doch bevor mir irgendjemand die Geschmacksknospen eines Hasen transplantiert, wird sich bei mir nichts rühren. Ich freu mich schon auf das nächste Barbeceu.

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Die haben hier nur Tassen und Löffel!

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Die World-Horizon Familie bestehend aus 24 hochmotivierten Freiwilligen die für das nächste Jahr in allen Ecken der Welt ihr Bestes geben werden.

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Kurz vorab: Danke für all die Spenden, die eingegangen sind! Besonderen Dank an all die großzügigen Unterstützer Ihr rockt und ermöglicht mir dieses Jahr!:

Sabine und Klaus-Peter Nathaus, Susanne und Dr. Heiner Thedieck, Mama und Papa und Petra Rewer, Rosi und Friedhelm Nagel, Trudi und Udo Zumdick,  Sonja und Heinz Schemmann, Gereon Ernst, Marja und Erwin Lindner, Ingeborg und Wolfgang Henrichmann, Walburga Essmann, Ulrich Blümel, Marita Feuersträter, Annegret Schulte-Sutrum, Rainer Hoppe und Maria Erfmann

Von den 3700€ meines Spendenziels sind mit Daueraufträgen hochgerechnet bereits knapp 3000€ zusammen. Das ist schon echt super und ich bin mega stolz auf Euch alle! Dennoch machen wir keine halben Sachen! Deswegen würde ich mich freuen, wenn Ihr mir weiterhin mit Spenden zu meinem Ziel verhelft! Übrigens: Alles was über das eigentliche Spendenziel hinausgeht, kann ich für eigene Ideen und Projekte hier in Hancock verwenden!

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So Leute, Startschuss… Ich bin mehr oder weniger holprig an meinem Ziel in dem süßen Häuschen an der 535 Hancock Street hier in Michigan angekommen und habe nach reichlich Zeit heute die Beine in die Hand genommen und meinen Koffer in die zahlreichen Schubladen meines riesigen Zimmers entladen…

Am 31. August flog ich von Düsseldorf in Richtung Frankfurt, wo die nette Dame am Schalter schon die erste Hiobsnachricht überbrachte. Bombenalarm in Frankfurt mit groß angelegter Evakuierung. Anscheinend eine Frau durch die Sicherheitskontrollen gestürmt. Aber: Mein Flug war der erste nach Frankfurt, der nicht gecancelt wurde! Dann ab nach Frankfurt, schnell Mama und Papa verabschiedet und ab nach „Amiland“, einen Ausdruck, den ich den verschiedensten Leuten in Nordwalde vergebens abzugewöhnen versucht habe. AUCH DIR MAMA!!! In Frankfurt ging es dann mit einer Boeing 747 und einiger Verspätung los in Richtung Chicago. Flugzeuge… Diese großen Stahlkisten in denen die Luft nicht nur so scharf wie ein Rasiermesser ist, sondern es auch kalt genug ist um zwar unangenehm zu sein aber doch nicht so kalt, als dass man etwas dagegen unternehmen will. Hinzu kommt auch noch, dass ich das Privileg hatte Sitzplatz B zu haben. Das ist der Platz, auf dem man in der Mitte sitzt, nicht aufstehen kann wie man will, sich beide Armlehnen mit den Nachbarn teilen muss und nichts hat wogegen man in einem Anflug von Frustration seinen Kopf gegen schlagen könnte.

Dementsprechend gerädert habe ich dann auch um circa 20 Uhr Ortszeit zum ersten Mal amerikanischen Boden betreten. Dann musste ich zu einer Beamtin, welche sich kurzerhand meine Fingerabdrücke, meine digitale Visage und meine Dokumente aneignete. Da ich ein Visum für die USA besitze, dies aber erst von den amerikanischen Behörden geprüft werden muss, wurde ich kurze Zeit später, von einem Officer begleitet, in einen überwachten Bereich geführt, in dem ich noch mal circa eine Stunde gewartet habe, bis ich aufgerufen wurde und der Officer mich interviewte. Dann bekam mein Visum einen schicken Stempel versetzt und ich durfte endlich offiziell die amerikanischen Staaten betreten. Da mein Anschlussflug bereits um 20:40 Uhr abgehoben war, musste ich wohl zwangsläufig eine Nacht in Chicago verbringen. Die netten Leute am Lufthansa Schalter haben mir dann den nächstbesten Flug nach Hancock gebucht und mich im allerfeinsten Crowne Plaza Hotel untergebracht.

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Genau so sah mein Zimmer aus. 10 out of 10 would do again! Mich würde es nicht stören in einem Jahr meinen Anschlussflug von Chicago nach Frankfurt zu verpassen, einfach nur um noch eine Nacht dort schlafen zu können! 🙂

Um 13:00 Uhr bin ich dann am darauffolgenden Tag hier in Hancock gelandet. Nachdem Nina, meine Mitfreiwillige aus Deutschland, mich vom Flughafen abgeholt hatte, ging es schnell in mein neues Heim um meine Sachen abzuladen. Zu meiner großen Begeisterung durfte ich feststellen, dass einer unserer „glorreichen Vorgänger“, so nenne ich mittlerweile scherzhaft alle Freiwilligen, die sich hier schon niedergelassen hatten, eine richtig gute mit Stahl besaitete Gitarre hiergelassen hat. Ich musste leider meiner eigenen Gitarre in Deutschland lebe wohl sagen, da die nicht ins Flugzeug durfte und jetzt hab ich wieder eine yaaay!

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Mit entsprechender Euphorie fuhren wir dann direkt nach Ontonagon, ein kleines Dorf ungefähr eine Stunde von Hancock entfernt. Dort fand nämlich der monatliche „Coffee klatch“ statt. Und ja jetzt denkt Ihr Euch sicherlich: „Huch das klingt so deutsch!“ Und Jackpot! Das isses nämlich auch. Was sich wie durch einen Fleischwolf gepresstes Denglisch anhört, ist ein häufiges sprachliches Phänomen hier in den USA (wer eine ausführliche Liste will, soll bitte folgenden Link aufrufen: Liste deutscher Wörter im Englischem).

In Ontonagon treffen sich monatlich immer so um die 10 Senioren und lachen miteinander, sprechen über das Dorfleben, darüber, dass es hier keine Arbeit gibt, über die alten Minen, über den Krieg, über das Sterben, über gute alte Zeiten. Bei Donuts und allerlei anderem Gebäck erzählt Inge, eine 84-jährige Deutsche, die mit 18 Jahren einem Amerikaner per Schiff in die USA gefolgt ist, über ihre Vergangenheit. Sehr offen und begeistert schwärmt sie von den Rosenmontagszügen in Köln und das wann immer möglich in Deutsch.  Und das alles in einem kölnerischem Dialekt, den man auch nach 60 Jahren noch heraushört. Man braucht nicht viel Feingefühl, um zu sehen, wie wir für sie ein Trigger für so viele Erinnerungen sind. Nina sagt mir, dass die, die zum coffee klatsch kommen die aktivsten und offensten der Senioren sind.

 

Kurz nach dem klatsch fahren wir mit Joyce einer der hauptamtlichen Mitarbeiter von Little Brothers zu dem örtlichen Krankenhaus, wo Germaine ihr Zimmer hat. Germaine ist dement und hat nach ihrem Sturz Probleme mit ihrem Bein. Erschütternd war zu sehen, dass sie mehrmals sehr selbstbewusst von sich behauptete wieder bereit zu sein wieder heimzukehren. Joyce zeigt unmissverständlich, dass sie sich da nicht so sicher ist. Je nachdem welchen Bereich ich zugeteilt bekomme, wird Germaine aber auch die anderen Senioren hier in Ontonagon, die sein, die ich regelmäßig besuchen werde. Für uns drei Freiwilligen also Nina, Phillip und mich gibt es drei zur Verfügung stehende Bereiche. Einmal Ontonagon, dann Baraga, was circa 30 Minuten von hier entfernt ist und schließlich Local, also hier in Hancock und Umgebung. Sobald Phillip hier ist wird sich dann herausstellen wo die Reise dann hingeht!

Bis sich das herausstellt und ich einen geregelten Zeitplan habe, heißt es sich einleben und den Lifestyle genießen. Den Walmart haben wir quasi direkt vor der Haustür. Walmart ist wie ein Real nur ungefähr 6-mal größer mit allem was das Amerikanerherz begehrt. Schmerzlich musste ich feststellen wie teuer hier alles ist, was nicht gerade aus 50% Zucker besteht. Für eine mittelgroße Packung Hähnchenbrust bezahlt man hier locker zwischen 6-10 Euro. Dafür kriegt man in Deutschland fast ein lebendiges Hühnchen! Nina hat für 4 Miniäpfel umgerechnet knapp 5 Euro bezahlt. Wer sich fragt, warum Übergewicht gerade in den USA bei ärmeren Familien in den USA so vorherrschend ist, der hat hier seine Antwort. Zucker ist günstig und alles was Zucker enthält ist für weniger kaufstarke Familien bezahlbar. Und auch Fastfood ist unglaublich billig im Vergleich zu frischem Essen.

Deswegen habe ich mich jetzt feierlich dazu entschieden mich dem scharfen öffentlichen Auge auszusetzen und das was ich esse an den Pranger zu stellen. Für meine Gesundheit und vielleicht oder vielleicht auch nicht Eure Neugier. Die Tabelle findet Ihr am Ende des Blogeintrags und werde ich wöchentlich veröffentlichen. 🙂

Aber nicht nur das Geld ist ein Faktor für mich, sondern auch deren dämliche inches, miles, ounces, , Fahrenheit usw. . Wer kocht, muss -zig Löffel und Tassen zur Hand haben, um überhaupt irgendwie mit dem Kochen anfangen zu können und Maß zu nehmen. Nachdem ich endlich die Trockenhefe für den Pizzateig in frische Hefe umgerechnet hatte, da es keine frische bei Walmart gibt, und ich schließlich eine einigermaßen angemessene Umrechnungsmethode von Löffeln und Tassen in Gramm gefunden, alles vermixt und in den Ofen geschoben hatte, merkte ich, dass das Mehl self-rising ist, das heißt, dass es von selber aufgeht. Also alles schon fertig und all meine Arbeit umsonst. Bisher habe ich den Eindruck, dass wir entweder viel zu kompliziert sind, oder sie es einfach einfach mögen. Auch das Autofahren ist hier einschläfernd. Alles geradeaus und so wenig Kurven wie möglich. Wir werden sehen durch welche Lebensbereiche sich das alles zieht!

 

Gestern trieb es uns raus zum McLain State Park. Bloß 15 Autominuten entfernt von uns warten im Moment noch Spätsommer Sonnenschein, Strand, wunderschön klares Wasser und superschöne Landschaft. Ich weiß jetzt schon, dass das meine Wochenendadresse sein wird! Ich lasse einfach mal die Bilder für sich selbst sprechen.

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Ich fahr da jetzt gleich wieder hin um ein wenig das lange Wochenende zu genießen. Hier ist nämlich am Montag „Labour-Day“ also das amerikanische Pendant zum deutschen Tag der Arbeit. Und da das hier ein heiliger Feiertag ist, ist das Office am Montag geschlossen. Alles zum Office, meinen Vorgesetzten und Kollegen im nächsten Blogeintrag mehr! Das Wasser wartet Leute! Macht’s gut!

Liebe Grüße und vielen Dank für all die großzügigen Spenden!

Jan-Philipp Rewer

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Was habe ich genascht?

Donnerstag:

Müsli, Mayonaise Schinken Sandwich mit Tomaten, Salat und Zwiebeln und Abends Flammkuchen

Freitag:

Müsli, wieder Sandwich und selbstgemachte Thunfischpizza mit Mozarella

Samstag:

Müsli, Eiscreme mit Keks und selbstgemachte Hähnchenburritos

Hancock, I’m on my way!

Moin Leute,

der Freiwilligendienst bei der gemeinnützigen Organisation „Little Brothers – Friends of the Elderly“ hat sich in rasender Geschwindigkeit vor meinen Füßen ausgebreitet. Die Projektstelle in Michigan, welche verarmten und sozial isolierten Senioren, mit der Unterstützung von Freiwilligen, endlich mal Freundschaft, anstatt eine bloße mechanische Befriedigung der menschlichen Grundbedürfnisse bietet, wird für das nächste Jahr mein Zuhause sein. Unser Motto „Flowers before Bread“, frei übersetzt „Blumen anstatt Brot“, mag schwulstig und überspannt wirken, trifft den Nagel aber auf den Kopf.

Das brüderliche Verhältnis zwischen jungen und alten Menschen bei „Little Brother“ ist das Resultat der Einsicht, dass Brot zwar eine notwendige, aber keinesfalls hinreichende Bedingung für ein erfülltes und glückliches Leben ist. Wer hat nicht schon einmal das Gedankenexperiment gemacht? Will ich doch lieber tot über einem Zaun hängen, anstatt als Rentner nur den Fernseher im Altenheim zum Reden zu haben. Nun scheint dieser Vorwurf in Deutschland zunehmend unberechtigt. Altenheime legen mehr Wert auf zwischenmenschliche Beziehungen im Seniorenalter und auch den Angehörigen ist es ein großes Anliegen, dass soziale Interaktion im letzten Abschnitt des Lebens nicht zu kurz kommt.

In Amerika sieht die Situation jedoch völlig anders aus… Das Michigan Chapter von „Little Brothers – Friends of the Elderly“ liegt im kleinen Städtchen Hancock. Hancock liegt wiederum auf der oberen Halbinsel im „Lake Superior“, dem größten See Amerikas, welcher direkt an Kanada grenzt. Milwaukee, die nächste Großstadt, ist immerhin circa sechs Stunden mit dem Auto entfernt. Die kernige Gegend rund um Hancock ist also zerstreut und ländlich. Die Landflucht in die Städte, wo für die Jugend vielversprechendere Lebensstile und Berufe locken, lässt die mit ihrem Heimatort verwachsenen Senioren als „Kollateralschaden“ zurück. Anders als in Deutschland ist der Anspruch auf gesetzliche Leistungen für die Altenpflege, auch bei ärmeren Menschen, nicht ohne Weiteres gegeben. Die Mentalität in Deutschland ist häufig, wahrscheinlich auch aufgrund unseres gut ausgebauten Sozialstaates, dass der Staat seine Bürger vom Abgleiten in solche Situationen bewahrt. In den Vereinigten Staaten steckt der „welfare state“ mit „ObamaCare“ und dem „Affordable Care Act“ jedoch immer noch in den Kinderschuhen. Schätzungen zufolge sind immer noch über 29 Millionen Menschen in Nordamerika unterversichert.

Ich werde deshalb dort mein Bestes tun, im Sinne des Mottos „Flowers before Bread“, Ende Dezember dieses Jahres, täglich Senioren bei den alltäglichen Herkulesaufgaben zu helfen und sie mit emotionaler Zuwendung zu unterstützen. Die Projektstelle in Hancock ist jedoch keine Pflegeheim, sondern eher wie ein Notdienst. Die Senioren, die alle dezentral in ihren eigenen Häusern leben, fragen ob sie einen „Elderly Friend“ an ihrer Seite haben können. Wir organisieren dann zum Beispiel Geburtstage und andere Feiern zusammen mit anderen Senioren, besuchen sie regelmäßig, fahren sie zur ärztlichen Routineuntersuchung, tätigen den Supermarkteinkauf, Hacken das Feuerholz und so weiter und so fort.

Der Freiwilligendienst ist aber natürlich auch mit Kosten verbunden. Unterkunft, Verpflegung, Flug, Visum und Versicherung – all diese Sachen können nicht allein durch die Fördermittel der Ministerien gedeckt werden. Um einen solchen klasse Freiwilligendienst, von dem Freiwilliger und Projekt gleichermaßen profitieren, im selben Stil fortführen zu können, braucht es Eure Unterstützung! Ich will mich deshalb jetzt schon einmal für die eingegangenen Spenden und noch kommenden Spenden bedanken!

Ihr könnt Teil meines Spenderkreises werden, indem Ihr entweder online über die Webseite meiner Entsendeorganisation (www.world-horizon.org), spendet, oder per Überweisung an:

 

World-Horizon – Deutsche Bank 

IBAN: DE09300700100123503500 – BIC DEUTDEDDXXX

Verwendungszweck: Spende, Freiwilligendienst Jan-Philipp Rewer

World-Horizon ist vom Finanzamt Hamburg als gemeinnützig anerkannt. Eure Spende könnt Ihr bei der Steuererklärung also als Sonderausgabe geltend machen. Für Spenden bis einschließlich 200 Euro genügt dafür der Kontoauszug. Für alle Spenden darüber stelle ich bis zum Ende des Jahres automatisch eine Spendenbescheinigung aus, wenn Ihr mir Eure Anschrift in einer Mail an janphilipp.rewer@googlemail.com mitgeteilt habt.

 

 

 

PS:

Der erste Blogeintrag sollte zunächst ein allgemeines Update sein! Details zum wie, wann und warum folgen 😉

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